Austropopfest
Am letzten Wochenende war es nach langer Pause wieder einmal so weit: Diesmal unternahm Robert Rotifer den wackeren Versuch, in Wien ein Rock- und Popfestival (’Popfest’) abseits des Donauinselfests zu installieren. Dort, wo Antonio Vivaldi begraben liegt - ob der gelungenen Veranstaltung war er sicher entzückt und wachte mit seinem Geist in schützender und inspirierender Funktion -, auf dem Gelände zwischen TU-Hauptgebäude und Karlskirche, wurde eine sehr schlichte Bühne in den ‘See’ hinein gebaut, auf der sich bei freiem Eintritt vier Tage lang eine ganze Reihe heimischer Künstler austoben durfte. Die Besuchermassen kamen, nicht nur Samstagabend war die Aftershow in der TU zum Bersten voll.

Traumhafte Bühnenkulisse. Bunny Lake vor der Karlskirche.
Beeindruckend dabei aber vor allem die Anziehungskraft der österreichischen Auftritte: Bunny Lake am Donnerstag - prima Show. Ein ekstatischer Christian Fuchs in seiner Rolle als Live-Rocker ebenso überzeugend wie seine lasziv-illustre Gefährtin. Die Setlist, fokussiert auf das letzte Album, sehr wirkungsvoll in einem Freiluftauftritt praktiziert. Ein gelungener Einstand für das Experiment Popfest. Der unerwartete Höhepunkt in Sachen Charme und Klasse folgte dann aber am Samstag: Der Nino aus Wien, derzeit als größter Hoffnungsträger des nicht mehr wirklich definierbaren Genres ’Austropop’ gehandelt, dramatisierte auf der Bühne seinen Auftritt, der irgendwo zwischen Kleinbühnenromantik und musikalisch großartig bespielter Wurschtigkeit angesiedelt war. Peter Doherty des Austropop, fällt einem da ein.
Das bezaubernde, von gefühlten 99% des Publikums nicht als solches erkannte Duett mit der eigenwilligen Anja Plaschg aka Soap&Skin (“Ich hab’ da vorhin ein Mädchen kennen gelernt … wir werden gemeinsam etwas singen … Franziska, komm’ bitte auf die Bühne …”) und der nachfolgende Besuch von Skero erzeugten das Gefühl einer lange nicht mehr da gewesenen Verbundenheit unter den heimischen Top-Künstlern. Und das bei einer wahrlich weltentrennenden stilistischen Ausrichtung der drei Interpreten. Sollte das der erste gemeinsame Auftritt einer neu entstandenen Austropopfreundschaft sein? Werden Anja Plaschg, der Nino und Skero dereinst - etwa am Donauinselfest oder auf dem Heldenplatz - als “New Austria 3” mit einer gemeinsamen Interpretation von “Kabinenparty” die Massen rocken?
Man weiß es nicht. Das Popfest hat aber gefallen und wir freuen uns auf eine Wiederholung 2011. Vivaldis Geist möge weiterhin über die Veranstaltung und das Line-up wachen und dem neuen Treiben auf seinem Grab mit Genugtuung lauschen.
Tags: Anja Plaschg, Bunny Lake, Der Nino aus Wien, Popfest, Skero
This entry was posted on Sunday, May 16th, 2010 at 11:13 am and is filed under Live. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
May 16th, 2010 at 5:29 pm
ninos album heisst eh down in albern, also voll austro-doherty…